Dienstag, 25. März 2014

Ein Motorrad zum zusammenklappen und Wale

In einem blühenden Garten ging ich im Traum spazieren. Die Jahreszeit mutete an wie Frühsommer. Die Sonne schien mild auf mich herunter, träge flogen dicke Hummeln an mir vorüber, das Gras war weich und grün. An den Bäumen bildeten sich vage Ansätze von Früchten. Es war ein Obstgarten und es schien mir, als hätte er keinen Anfang und kein Ende. Kaum hatte sich dieser Gedanke geformt, stand ich auch schon vor einem Zaun. Es war ein ganz normaler Maschendrahtzaun, der sich ziemlich weit nach oben streckte. Normalerweise ist so ein Zaun für mich kein Hindernis, aber ich hatte auf einmal ein sperriges Gebilde unter dem Arm. Es war aus Holz, eine Art zusammengeklappter Gartenstuhl.

Ich wusste genau, ich brauchte diesen Stuhl, denn er würde mir noch sehr nützlich sein. Gerade als ich mich anschickte, meine Füße in die ersten Drahtverläufe zu setzen, verwandelte sich der Stuhl in ein zusammengeklapptes Motorrad. Das konnte ich jetzt nicht mehr mitnehmen, es wurde eine zu schwere Last. Dennoch, ich musste den Zaun unbedingt erklimmen, weil ich wusste dass ich träume und es ist ein schlechtes Omen für das Wachleben, wenn man vor einem Zaun kapituliert. Also trat ich zurück und warf das Motorrad mit einer mordsmäßigen Kraftanstrengung auf die andere Seite. Plötzlich geschah alles auf einmal. Das Motorrad entfaltete sich in der Luft, kam leicht wie eine Feder auf dem Boden der anderen Seite auf, ich befand mich darauf und fuhr fröhlich durch die Straßen meiner ersten Kindheitserinnerungen. Wie ich so dahin fuhr, im hellen Sonnenschein, wurde mir auf einmal bewusst, dass ich nach irgendetwas auf der Suche war, aber nach was?

Ich konnte es gedanklich einfach nicht greifen. Ich hörte keinen Motorenlärm, nur das sanfte Rauschen des warmen Windes, in das sich nun das Plätschern von Wasser mischte. Übergangslos schaute ich aus der Vogelperspektive auf das Panorama eines  großen Gewässers. Das Wasser schimmerte Metallic Grau, es kräuselte sich zu kleinen Wellen. Die Sonne strahlte hinter grauen Wolkenrändern hervor, es war ein phantastisch mystisches Licht. Die Landschaft hatte eindeutig nordischen Charakter. Es kann ein Fjord gewesen sein oder ein riesiger schottischer Bergsee, vielleicht eine Traum Mischung aus beidem? Auf alle Fälle war es ein wunderschöner Anblick. Auf den Wellen schaukelte ein kleines Boot, ein Fischer wie ich erkannte strebte nach erfolgloser Jagd dem Ufer zu.  Ich kam gar nicht dazu die idyllische Szene zu genießen, denn ca. 200 Meter vor ihm konnte ich einen riesigen Schatten unter der Wasseroberfläche ausmachen.

Ich dachte; oh nein, der wird doch nicht das kleine Boot zum kentern bringen. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir der Fischer herzlich gleichgültig war. Ich dachte nur daran, dass es dann wieder einen Grund gab Wale zu jagen, wenn das jemand vom Ufer aus beobachten sollte. Ich machte mir Sorgen um den Wal und um seine Familie, die weiter entfernt ihre Fontänen in die Luft bliesen. Also flog ich wie ein Pfeil aus der Höhe herab, mitten ins Geschehen. Der Wal bäumte sich halbherzig vor mir auf, signalisierte mir telepathisch dass er  mich verstand und drehte ab. Er schwamm zurück zu seiner Herde und geleitete die Tiere an mir vorbei, wie ich hoffte in Sicherheit, weit weg von den Menschen. Ich blieb noch lange an dem Morgen im Bett liegen um nachzudenken. Teils beklommen und teils heiter startete ich in den Tag.