Sonntag, 5. Januar 2014

Zeitreisen für den Geheimdienst

Rennend bin ich ich in den Traum eingetreten. Neben mir, hinter mir und auch vor mir detonierten Bomben und Granaten. Ich vernahm Gewehrschüsse und Schmerzensschreie. Stimmen, die in englischer, deutscher und russischer Sprache fluchten und schimpften drangen an mein Ohr, sehen konnte ich wenig, denn beißender Rauch schränkte mein Sichtfeld stark ein. Ich rannte um mein Leben. Neben mir hörte ich ein Keuchen. Ich sah zur Seite und gewahrte meine Freundin, die ebenso wie ich versuchte das russische Armeefahrzeug zu erreichen, welches vor uns her fuhr.

Auf der Ladefläche des Truppentransporters, der aussah wie zu Zeiten des zweiten Weltkrieges, befanden sich Angehörige der sowjetischen Armee, die uns die Hände entgegen streckten, damit wir aufspringen konnten. Einer plötzlichen Gewissheit folgend wusste ich auf einmal, dass ich mich inmitten einer Zeitreise befand. Meine Freundin und ich waren Agentinnen, die einen Auftrag zu erfüllen hatten und genau das hat uns in den zweiten Weltkrieg katapultiert. Das vor uns fahrende Armeefahrzeug war die einzige Chance in unsere Zeit zurück zu kehren, aber dazu mussten wir es erst einmal erreichen. Mein Freundin hatte es als erste geschafft und sie war es auch, die mich an beiden Armen packte und auf die Ladefläche zog. Bevor wir darüber in Jubel ausbrechen und die Situation analysieren konnten, fanden wir uns in meiner Heimatstadt wieder, aber gefühlte 150 Jahre in der Vergangenheit.

Zeitlich verpeilt; dachte ich in meinem Traum und musste lachen. Statt in der Zukunft, sind wir noch weiter in der Vergangenheit gelandet. Alles war altertümlich und fremd, Gaslaternen und alte Wasserpumpen erregten meine Aufmerksamkeit.Pferdefuhrwerke lärmten über die mit Katzenkopfpflaster ausgelegten Strassen.Trotzdem erkannte ich eindeutig meine Heimatstadt wieder. Zielstrebig steuerten wir auf ein protziges Haus zu, indem der (Traum) Geheimdienst seinen Sitz hatte. Wir standen plötzlich in einem Raum, dessen eine Wand über und über mit einer Art Leuchtdioden übersät war. Die übrigen 3 Wände waren in einem hellen Grauton gehalten. An der gegenüberliegenden Wand stand ein Pinguin, der einen übergroßen schwarzen Schatten an die Wand warf. Er stand völlig reglos, ich glaube er war ausgestopft. Da sagte eine körperlose Stimme: “Das ist unsere stärkste Waffe, ein unüberwindlicher Wall.“ Ich sah an der Wand hinauf. Da saß jemand auf einem schwebenden Wandboard, den ich vor langer Zeit einmal kannte. Er hatte eine Blase um den Kopf, wie eine  Art von lustigem Helm. Aber im Traum war mir klar, dass das ein besonderer Kaugummi war, dessen Inhalt eine leckere Portion Speiseeis bildete.

In grotesken Bewegungen versuchte er nach dem Eis zu schnappen, das im Helm immer wieder rings um seinen Kopf kreiste. Idiot; dachte ich mir; sogar dafür ist der zu blöde, dabei ist es doch ganz einfach, sich mit einem raffinierten Schwung des Kopfes das Eis in den Mund zu befördern und die Blase zerplatzen zu lassen. Dann öffnete sich die einzige Tür des Raumes und eine freundliche Frau sagte: “Die nächsten bitte.“ Ich hatte den Gedanken an ein Nagelstudio. Wir traten durch die Tür und fanden uns in einem Haus wieder, das einen Garten hatte. Ich bin aber nicht wirklich innerhalb des Hauses gelandet, ich lief gleich durch den Garten. Nach dem Zustand der Bäume und der Temperatur zu urteilen war es noch Winter. Es lag kein Schnee und die Luft roch noch nicht nach Frühling.

Im hinteren Teil des Gartens, unter einem alten Apfelbaum, lagen viele weiße Eier im Gras. Alle waren mit einem Eierbecher versehen und alle waren umgestürzt. Ich bückte mich, um jedes der ca. 15 Eier wieder ordnungsgemäß in ihren Eierbecher zu stellen, denn dieser Zustand stachelte meinen Ordnungssinn an. Die Luft war kühl, aber die Eier waren allesamt warm. Als ich die Eier ihren Eierbechern zuordnete, sah ich, dass jeder Eierbecher den  Schriftzug einer Fluggesellschaft trug, der in unterschiedlicher Weise in hellgrünen und rosa Ornamenten eingebettet war.

Per Telepathie übermittelte mir meine Freundin in dem Moment, die ja immer noch in dem Haus bei einer Unterredung war, unseren neuen Auftrag. Ein Geheimauftrag, der besagte, ich solle mit meiner Freundin in eine Art Wettstreit treten. Wir sollten zur gleichen Zeit an Punkt X loslaufen und wer zuerst an Punkt Y ankäme, würde alles bekommen wovon er träumte. Noch so ein sinnloses und anstrengendes Zeitexperiment; dachte ich mir. Noch während ich mich im Traum über die verdammte Hetzerei und den Stress aufgeregt habe, war mir klar, dass ich das nicht mehr will. Außerdem gönnte ich meiner Freundin, dass sich ihre Träume erfüllen. Ich ließ meine Freundin loslaufen, aber ich bin mit dem Gedanken, dass ich diesmal nicht mitspielen würde, aufgewacht.