Sonntag, 20. Oktober 2013

Faun

Dieser Traum entführte mich in eine irrationale Welt voller Widersprüche. Als ich mich im Traumgeschehen wiederfand, erkannte ich einen Platz im Wald, welcher in der realen Welt auch existiert. Auf dem Platz, der ca. 50- 70 Meter im Durchmesser betrug, stand im hinteren Teil eine Imbissbude, die grellbunt angemalt war, was eine Erinnerung an den Rummel in mir wachrief. Die Kunden des bunten und hell erleuchteten Imbiss Standes waren nicht von dieser Welt. Es waren Mischwesen, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Vage haben sie mich an mythische Waldgeister erinnert, wunderschön, geheimnisvoll, halb Mensch halb Tier und noch etwas anderes, es umgab sie die Aura der Unsterblichkeit. Ich wollte mich nicht dazu gesellen, denn was da an Essen gereicht wurde, war irgendwie, nun ja, nicht menschgerecht, außerdem befürchtete ich, sie würden mich verhexen. Dann fiel mir auf, dass der Platz eine Senke war, kein Weg führte hinein und keiner hinaus.

Ich machte mich daran den Wall zu erklimmen, der die Senke umschloss und der zum Glück nicht sehr hoch war. Oben angelangt warf ich einen Blick zurück und sah nichts als Wald. Vor mir erstreckte sich ein geschlängelter Weg auf einer Art Damm. Um den Damm herum war alles überschwemmt. Ich lief auf dem Damm entlang und erfreute mich an der unberührten Natur. Ich hörte allerdings Vogelstimmen, die ich nicht einordnen konnte, auch die Pflanzen um mich herum hatten ganz und gar nichts irdisches. Auf der rechten Seite, unterhalb des Dammes, sah ich in einem Graben eine lehmige Erhöhung und darauf verteilt Blutspuren. Verschiedenartige Pfotenabdrücke hatten diese zum Teil schon im Lehm eingetreten.  So halb im Vorbeigehen gewahrte ich, dass der Hügel auf der anderen Seite einsehbar war.

Eine Unterwasserhöhle also. Ich ging ein Stückchen zurück und sah etwas genauer hin. Unmittelbar hinter dem Höhleneingang lag etwas im Wasser. Es war ein Kopf, sehr helle Haut, fast weiße Haare, unversehrt wie von einer Marmorstatue lag der Kopf im Wasser. Nur die Haare bewegten sich, wie es Haare nun einmal unter Wasser tun. Hier ist ein Verbrechen geschehen, was aber schon sehr lange zurück liegen musste, zumindest nach meinem Traumempfinden. Erneut beugte ich mich hinab, um Einzelheiten zu erkennen und fand mich im selben Augenblick in einem riesigen unterirdischen Labyrinth wieder. Ich hörte Stimmen und ging darauf zu. Ein aufgeregter Banker kam wild gestikulierend auf mich zu geeilt. Ich kannte ihn zwar, dennoch sah er in meinem Traum nicht so aus wie im richtigen Leben. Sein Gesicht und sein Wesen hatten etwas fuchsartiges. Er nahm mich an den Schultern und führte mich weiterredend in einen mit funkelnden Kristallen und Edelsteinen übersäten Gang.

Kinderstimmen klangen vom Ende des Ganges an mein Ohr, aber was der Banker die ganze Zeit brabbelte, verstand ich nicht. Vor uns wurde der Gang, welcher glitzerte und gleißte immer breiter, er mündete schließlich in einer riesigen Grotte. Die Wände der Grotte zierten noch sehr viel mehr Edelsteine in den unterschiedlichsten Farben. Dominiert wurde die Grotte von einem sehr weitläufigen natürlichen Bassin, allerdings war das Wasser darin nicht klar, sondern überdeckt mit Badeschaum. Inmitten der Badeschaumgebirge waren verschiedenartige Kinder Spielzeuge auszumachen, Sachen halt, mit denen Kinder im Wasser so spielen. Fasziniert betrachtete ich den krassen Gegensatz von Naturhöhle und überdimensionaler Kinder Badewanne. Hinter uns ertönte auf einmal ein Schrei, voller Begeisterung schoss die Frau des Bankers an uns vorbei und stürzte sich mit einem begeisterten Jauchzer in das Wasser. Sie rutschte recht weit, so dass der Schaum weithin geschleudert wurde.

Sie war nackt und ich dachte mir: "Endlich ein menschliches Wesen." Das allerdings war ein Trugschluss, denn als sie lachend zu mir zurück schaute, winkelte sie in dem flachen Wasser die Beine an. Es waren keine menschlichen Beine, es waren die Beine eines Fauns. Stark behaart bis zum Bauchnabel, bockbeinig mit Hufen war das ein wirklicher Schock für mich, da sie im wirklichen Leben sehr attraktiv und auch eitel ist. Dann stand sie, gnädig in ein Badetuch gehüllt, auf einmal neben mir. Zwischen den beiden wurde ich in ein unterirdisches Wohnzimmer von gigantischen Ausmaßen geführt. Ein riesiges Aquarium stand in der Mitte der Wohnhalle. Angeln lagen neben dem Fischbecken und ich wurde aufgefordert mir etwas zu angeln. Im Aquarium auf dem Grund lagen uralte Weinflaschen, kleine versunkene Schiffe und Schatztruhen, aus denen Goldstücke und verschiedenartige Preziosen heraus quollen. Gerade wollte ich meine beiden Gastgeber darauf hinweisen, dass diese Angelei Stress für die eh schon mickrigen Fische bedeutet und ich deshalb davon absehen würde, als ich auch schon aufwachte.