Samstag, 10. August 2013

Dreirad


Es ist eine bizarre Szene, denn ich fuhr mit einem verrosteten Dreirad in meiner Heimatstadt ein. Das Dreirad war uralt und klapprig, es gab quietschende Geräusche von sich und es war äußerst instabil. Ich saß vorn und trat in die Pedale. Hinter mir saß meine Tochter und neben dem langsam dahin eiernden Dreirad lief unser Hund. Wir fuhren genau an der Stelle in die Stadt ein, an der Jahr für Jahr im Frühling und Herbst der Rummel, mit seinen Karussells und Schießbuden, zahlreiche Besucher anlockt. 

Das bemerkenswerteste an der Traumszenerie war die Luft. Es war ein klarer und reiner Tag und in der Luft lag ein Hauch von Meeresbrise, Frühlingsfrische und Ostwind, es war früher Morgen. Das quietschende und eiernde Dreirad, mit seiner Last, fuhr an unzähligen Häusern vorbei und unser Hund trabte locker nebenher, bis er plötzlich in einem offenen Hauseingang verschwand und nicht mehr heraus kam. Ich habe das im Traum als normal empfunden und mich nicht weiter darüber gewundert. Es hat sich angefühlt, als wenn eine Frist abgelaufen wäre. Ich sah nach oben und sah, dass die Häuser der Stadt bis zur Mitte etwa normal aussahen, alles war der Zeit entsprechend dem Heute zuzuordnen, aber weiter oberhalb veränderten sich die Gebäude. 

Die Dächer der Häuser waren verschwunden, an ihrer Stelle waren Burgzinnen und zahlreiche Türme zu sehen, an denen im frischen Wind munter kleine bunte Fähnchen flatterten, die an Wimpel erinnerten. Der Turm, der am größten war, war mit der größten Flagge bestückt, aber ich konnte das Wappen nicht erkennen, da der Wind die Flagge hin und her gewedelt hat. Im ersten Moment hatte ich den Eindruck einer längst vergangenen Zeit. Ich dachte, ich würde zu einem Ritter Turnier fahren, wobei mir meine Rolle dabei nicht klar war. Doch dann, als die Straßen unverändert blieben, hatte ich eine Eingebung, die mir sagte; diese Wimpel an den Zinnen und Turmspitzen wehen nur für mich. 

Es hatte etwas von einer siegreichen Heimkehr, d.h. einesteils hatte ich meine Schlacht schon geschlagen, aber eine weitaus größere stand mir noch bevor. Mehrmals in diesem Traum schaute ich nach oben und staunte über das unglaubliche Blau des Himmels mit seinen Schäfchenwolken. Die Strecke, die ich im Traum mit meiner Tochter und dem Dreirad zurückgelegt hatte betrug im Maßstab der Wirklich nur ein paar hundert Meter, aber im Traum selbst waren das tausende von Kilometern. Immer wieder sah ich die Fähnchen im Wind flattern und ich hörte plötzlich verhaltene Fanfarenklänge. Ich zockelte also weiter in die Richtung, aus der die Fanfarenklänge kamen. 

Ich schaute immer wieder nach oben und war erfreut, dass auch der Wind die Wimpel in die Richtung blies, in die ich fuhr. An einer Ampelkreuzung stand die Ampel auf rot, also musste ich anhalten. Dann kam ich mit meinem Dreirad nicht so einfach wieder in Fahrt, deshalb befand ich mich, als die Ampel wieder auf rot wechselte, immer noch auf der Fahrbahn. Durch das Hupen eines ungeduldigen Autofahrers bin ich aufgewacht. Ich hatte Wut auf diesen blöden Autofahrer, denn ich hätte doch zu gern gewusst, wohin mich der Klang der Fanfaren locken wollte. Erst viele Jahre später sollte mir der Sinn dieses Traumes klar werden.