Sonntag, 31. März 2013

Schlangentunnel



Das erste Traumbild, das ich sah, war ich mit dem Kopf unter Wasser. Das Gewässer war flach wie eine Pfütze, aber ich konnte nicht auftauchen, ich war irgendein Wassertier. An meinem Gesicht schwammen kleine Fische vorbei und auch Wasserpflanzen streiften meine Wange. Ich besaß eine ungewöhnliche Klarsicht und konnte unter Wasser atmen. Ich wurde von einer seltsamen Kraft vorwärts geschoben. 

Dann stand ich auf einmal als Mensch in dem Gewässer aufrecht, welches sich als Bach entpuppe. Hinter mir nahm ich eine größere Gruppe von Menschen wahr, ich sollte sie führen. Ich ging langsam vorwärts, um die Tiere und Pflanzen nicht zu zertreten. Ich hielt beim Gehen der Gruppe hinter mir einen Vortrag über den respektvollen Umgang mit den Mitgeschöpfen, die unter uns im Wasser ums Überleben kämpften, jeden Tag aufs Neue. Ich sah alles aus dreierlei Perspektive, aus meiner eigenen, aus einer unter Wasser, bei der ich viele Füße sah, die sich vorsichtig auf den glitschigen Steinen voran tasteten und aus einer Art Kameraperspektive, so als wenn ein Film gedreht würde. 

Unter Wasser ging es ziemlich tropisch zu, ich sah große bunte Schnecken und farbenfroh gebänderte Wasserschlangen in rot, gelb schwarz und grün. Ich wusste, dass diese giftig waren, hatte aber keine Angst. Dann kamen wir in einen dunklen Tunnel und schlagartig war alles Leben erloschen. Ich trat nur noch auf tote Tiere, ich sah unter Wasser Eintrübungen von den bunten Schlangen, die in der Mitte zerteilt waren. Zwischen Pflanzenresten schwammen tote Fische, die aussahen wie eine Mischung aus Stichlingen und Neon Fischen, auch tote Frösche waren dabei. Quallen schwammen zerfetzt im immer trüber werdenden Wasser, aber am meisten machten mich die toten Wasserschlangen traurig. 

Ich empfand keinerlei Ekel, nur Traurigkeit über den Tod der farbenfrohen Mitgeschöpfe. Die Gruppe ging in totaler Finsternis unter meiner Führung immer weiter in den Tunnel hinein und trotz der Finsternis war das Geschehen unter Wasser genau wahrzunehmen. Als ein heller Lichtpunkt aus der Ferne an meine Augen drang, kehrte das Leben unter Wasser mit zunehmender Helligkeit zurück. Plötzlich standen ich und die Gruppe hinter mir in einer großen hellen Grotte, in der wir von anderen Menschen, die vor uns diesen Weg gekommen waren, begrüßt wurden wie Helden.

 Unter Händeschütteln und Schulterklopfen wurde mir ein Orden, den ich aber nicht sah, angeheftet. Die Szene wurde währenddessen immer unschärfer, bis ein Miauen an mein Ohr drang. Das war mein Kater Louis, der auf seinem Futter bestand.